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Axel Heyst

303 murmansk
Motikats zweite Scheibe ist fertig!

Motikat an der Gitarre

Doch leider, leider hat sich Motikat bis heute dagegen ausgesprochen, die Platte zu veröffentlichen. Zitat: "Ich finde, wir sollten es bei dieser Einmaligkeit belassen." Auf unsere Entrüstung erwiderte er mit glasigen Augen: "Es ist zu gefährlich" - als wäre er Michael Corleone. Das schmerzt.

Dabei müsste es wenigstens Mastermind Peter Maria Boss, der während der gesamten Produktionsphase die Leitung des Orchesters innehatte, gelingen, diesen skeptizistischen Formalisten umzustimmen. Mit Boss hat Motikat schon in den Kinderschuhen musiziert. Er kennt seine Ticks und Tricks, seine Kapriolen, seine Allüren, seine Marotten, seine Kaprizen - kurz: er kennt ihn.

Frank Advokat in seinem Reich

So liegt uns Motikat Monate lang in den Ohren, wir sollen mehr Kohle rausrücken, damit Jenny Hill sich bereit erklärt, auf der Platte mitzuwirken - wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut - das ist der Dank. Sogar den längst aus dem Musik-Business ausgestiegenen Maestro Toni Rentini konnten wir überreden, für einen Song seine Sticks wieder zu kleben.

Oder denken wir an Frank Advokat, auch als Handsome Frank bekannt. Drei ganze Monate redet Motikat mit niemandem ein Wort. Wir steckten ihn daraufhin in Einzelhaft und hörten seine Selbstgespräche ab. Er flüsterte ganz leise: "Franky". Sofort flogen wir Handsome Frank mit seiner kompletten Jura-Klasse - er hielt gerade eine Vorlesung an der Sorbonne - nach Berlin ein. Kaum war Franky da, tat Motikat, als wäre nichts gewesen. Er schien regelrecht aufgekratzt - geradezu redselig. Später berichtete Handsome Frank, es hätte sich um ein paar französische Vokabeln gehandelt.

Motikat und sein Fahrrad

All seine Macken und Launen mussten wir ertragen. Ein anderes Beispiel: Anscheinend hatte Motikat herausbekommen, dass er observiert wurde. Also borgte er sich von seiner Schwester ein Diktiergerät und tat, als würde er uns observieren. Als er merkte, wie überzogen seine Reaktion war, überkam ihn große Rührseligkeit, und er wollte kein Geld mehr von uns annehmen. Wenn wir das Geld nicht über seine Eltern an ihn weitergeleitet hätten, wäre er uns glatt unter den Händen verhungert.

Die letzte große Krise begann damit, dass Motikat vor seinen Freunden prahlte, er könne auf seinem Fahrrad wie ein bockiger Esel umherspringen. Kasi Tsunetomo schnappte sich die alte Mühle, brachte aber nicht mehr als ein mickriges "I-ah" heraus. Dafür war danach der Rahmen angebrochen. Ein ganzes Jahr schrieb Motikat keine Songs mehr. Er hatte aufgehört, für etwas Liebe zu empfinden - "Hat doch sowieso keinen Zweck".

Dottore Boss behält den Überblick

Keinem anderen als Dottore Boss war es damals zu verdanken, dass Motikat überhaupt wieder eine Gitarre in die Hand nahm, wenn auch eine Gummigitarre, der er bevorzugt in der Badewanne den Hals umdrehte.

Lange Rede kurzer Sinn: All diesen Leuten muss es doch gelingen, Motikat ein zustimmendes Nicken zur Veröffentlichung von "303 murmansk" abzuringen. Wir haben alle Register gezogen. Momentan bleibt uns nichts weiter übrig, als die komplette Produktion zu verschenken. Nehmet von uns! Bis dieser Psychopath wieder auf dem "Boden der Tatsachen" angelangt ist und glaubt, die Platten für 100 Dollar das Stück verkaufen zu können. Vielen Dank!