Sie sind hier

Häwelmann

Häwelmann

Im Sommer 1995 gründeten sich die Jandogs, eine Dilettanten-Band, die einzig von sich Reden machte, als sie bei einer Messe ihren Song "Alle kommen nicht von hier" anstimmte. Wenig später wurden fast alle Mitglieder rausgeworfen. Übrig blieben Peter Boss, Morton Pablo und einige ihrer alten Songs ("Jaundice" und "Blonda Wischnui"). Die beiden gründeten das "Projekt Häwelmann", was bald nur noch Häwelmann heißen sollte. Es fehlte noch ein Trommler - Toni Rentini wurde in die Lehre geschickt - sinnlos. Nach ihrem ersten Auftritt im Kinze-Keller (September 1995) war der junge Mann nicht mehr zu gebrauchen.

Boss und Pablo suchten nach Ersatz. Gitarrist Carlos Schönbeck stieß zur Band. Jeder saß mal hinter dem Schlagzeug; permanente Instrumentenwechsel waren die Folge. Der nächste Auftritt in einer Kirche (Mai 1996) ging kräftig nach hinten los. Freunde wurden Feinde.

Da keiner der drei Virtuosen den Rhythmus im Blut hatte, musste noch einmal die Trickkiste herhalten: die Schlagzeugerin Dina wurde engagiert. Sie kam aus der berühmten Drummerschmiede des Henning Rolands, in der auch schon der erste Trommler Rentini gegossen werden sollte. Die Instrumentenkonstellation manifestierte sich mit Peter an der Orgel, Morton am Fretless-Bass und Carlos an der Gitarre.

Es dauerte nicht lange, und Dina blieb immer häufiger im Bus sitzen, anstatt am Proberaum auszusteigen. Alle waren erleichtert, als Dina mitteilte, dass sie nicht mehr Bus fahren wolle. Sie verkaufte ihr Schlagzeug und machte dabei 100 Mäuse plus. Jetzt setzte sich Carlos in Szene und beschaffte über 4 Ecken die Trommlerin Marika. Sie war klein, zierlich und ein Fan von schnellem, harten Death-Metal. Damals waren die Häwelmänner noch Softies, bis sie von Marikas Doublebass verzaubert wurden. Carlos ließ einmal mehr seinen Charme spielen, und keine 2 Tage später saß eine weitere Lady im Schlitten: Sängerin Jenny Hill wusste, woher der Wind weht - die Handtasche voll mit Zigaretten, für Wein war immer gesorgt.

Nun hatte die Band wieder Fans. Unvergessen ihr Auftritt im Toller-Club am Herrentag, 20. April 1997. Bei der zwanzigminütigen Zugabe (einer Funkadelics-Nummer) sprang der Hippie Emu auf die Bühne und entführte die Fans mit seinem Gesang in die 60er, während draußen Nazi-Banden Stunk machten. An dieser Stelle ein Dankeswort an alle Fans, die Häwelmann treu den Rücken stärkten.

Im Mai 1997 auf dem Zenit angelangt erschien die erste Scheibe "Nummer 1", besser gesagt, eine Kassette. Umso tiefer traf der Schock ins Mark, als sich die Frauen aus dem Staub machten. Erst die Marika und dann die Jenny.

Anfangs versuchte Jenny den Häwelmännern die Schlagzeugerin Line anzudrehen. Bei der Probe mit ihr platzte unvorhergesehen der wiederum von Marika geschickte Trommler Tom herein. Keiner der beiden war exzellent. Und keiner der drei konnte es ihnen sagen. Line merkte sofort, was Tom erst anderthalb Jahre später riechen sollte: Sie wollte gehen. Erwähnenswert ist zudem der hoffnungsvolle Versuch mit Dö, einer vierzehnjährigen talentierten Saxophonistin, der leider wegen musikalischer Diskrepanzen scheiterte.

Neben der Suche nach einem neuen Sänger war der harte Kern der Band jedoch nicht untätig: Sie inszenierten ein Musical, und kein anderer als die zickige Blues-Legende Rolands saß hinter den Töppen. Weiterhin spielten sie zu dritt bei Abitur-Bällen eine dicke Beute ein.

Frühling 1998. Die Auswahl der Bewerber für den Gesangsposten fiel nicht leicht. Wieder einmal meldeten sich nur Frauen. Die Qual der Wahl fiel auf Edda. Sie brachte frischen Wind in den Proberaum. Das kam an! In einem heiß umkämpften Rock-Contest trickste Häwelmann die anderen aus und ergatterte einen kleinen Pokal und ein leckeres Essen.

Im Sommer 1998 entstanden die Aufnahmen für ihre zweite Platte. Damals wusste noch keiner, dass diese Platte das Ende der Band besiegeln sollte, auch wenn ihr Name schon passend gewählt wurde: "Die Letzte".

Allerdings gab es noch ein Happy End. Nachdem sich Häwelmann aufgelöst hatten, stellten Boss und Pablo fest, dass Ex-Trommler Rentini in der Zwischenzeit doch ein paar Hausaufgaben erledigt hatte. Zusammen mit Karsten Tsunetomo gründeten sie Los Desastres.